Hermannslauf 1


Vom Hermannsdenkmal nach Oerlinghausen (18km)

 

Die erste Hälfte des seit 1974 jährlich am letzten Sonntag im April stattfindenden Marathons habe ich das erste mal in diesem Jahr (2015) absolviert und ich muss sagen, dass das doch ganz schön anstrengend sein kann. Die Fotos sind alle von diesem Jahr und am selben Tag vor dem Lauf aufgenommen. Auf dem Foto links seht ihr Janosch Kowalczyk mit der Startnummer 1995, gelaufen für den Verein "Karlsruher Lemminge". Er belegte Platz 5 mit einer Laufzeit von 1h53min. Ich hatte mir unter Berücksichtigung meiner derzeitigen Leistungsbereitschaft eine Zeit von maximal 5 Stunden eingeräumt.

Erlebnisbericht Hermannslauf 2015

Allgemeiner Hinweis:

 Zur Teilnahme am Hermannslauf benötigt man grundsätzlich eine Anmeldung bzw. Startnummer, wenn man eine  Zeitmessung wünscht (in diesem Fall taucht man dann auch in den Ergebnislisten auf), eine Medaille haben und an den Verpflegungsstationen versorgt werden möchte. Des Weiteren bieten die Veranstalter eine Unterbringung und den Transport der persönlichen Wechselkleidung an sowie Möglichkeiten zum Duschen (nach dem Lauf).  Ebenso kann man am Vormittag den kostenlosen Bustransfer von Bielefeld nach Detmold ab 7 Uhr in Anspruch nehmen. Eine ärztliche Versorgung ist an diesem Tag selbstverständlich auch ohne Anmeldung auf der gesamten Strecke gegeben. Jedoch benötigt man diese notärztliche Versorgung nicht, wenn man sich unter Kontrolle hat (und das sollte ja auch unser Ziel sein!!).

Man kann und darf natürlich auch ohne Anmeldung die Strecke bewandern, bewalken, bewoggen, bejoggen und belaufen. Alles andere wäre Freiheitsberaubung, da es sich ja um ein frei zugängliches Gelände handelt. In diesem Fall sollte man jedoch  die angemeldeten Läufer nicht behindern. Ja man sollte ihnen sogar Platz machen, denn sie genießen an diesem Tag eine Art „Schutz“, schließlich haben sie auch dafür 42 Euro Anmeldegebühr bezahlt (Anmerkung: der Preis hat sich inzwischen erhöht). Die Wanderer und Läufer sind ganz leicht an ihrer am Körper befestigten Startnummer zu erkennen. Wie man aber dennoch ohne Anmeldung  die Strecke genießen kann, möchte ich euch im Folgenden ausführlich schildern. Auf  www.hermannslauf.de  findet ihr ausführliche Informationen zur Anmeldung und über den Streckenverlauf.

Erlebnisbericht vom Sonntag, den 26.04.2015:

 

Es ging los mit meinem Wecker, der mich um  5:30 Uhr unsanft aus meinen Träumen riss. Diszipliniert wie ich nun mal bin, stand ich auf und nahm zum Frühstück eine Portion Müsli mit Joghurt und Honig zu mir und trank eine Tasse Kaffee. Um 6 Uhr packte ich dann meinen Rucksack mit folgenden Gegenständen: 1,5 Liter PET Flasche mit Holunderblütensirup - Mineralwassergemisch;   1,5 Liter PET Flasche mit Sauerkirschsaft - Mineralwassergemisch;  2 x 1,5 Liter PET Flaschen mit reinem Mineralwasser (also insgesamt 6 Liter Getränke, sprich 6 kg Zusatzgewicht); 1 Schokoriegel; 1 Energieriegel; 100g Haferkekse; 2 saubere T-Shirts; 1 sauberen Pullover; frische Socken;  1 Handtuch; Foto/Videoapparat; 20 Euro Hartgeld (2€ Stücke und 20 Cent Stücke) sowie  Papiertaschentücher und eine Packung Pflaster mit kleiner Schere. Danach bestieg ich mit einem Zusatzgewicht von 10kg  um  6:15 Uhr mein Fahrrad und fuhr in die Bielefelder City zum Hauptbahnhof. Um  6:50 Uhr kam ich am Bahnhof an und hatte noch gut 20 min Zeit mein Fahrrad ab zu stellen und ab zu schließen sowie mir mein Zugticket (8,20€) zu kaufen. Ich hatte mir am Vortag natürlich meine gesamte Zugverbindung und Wegstrecke aus dem Internet ausgedruckt.

Der 1. Zug (RB61 in Richtung Kirchlengern) verließ pünktlich um 7:10 Uhr den Bielefelder Hauptbahnhof.  Um 7:20 Uhr kam ich in Herford an, wo ich umsteigen musste. Der 2. Zug (RB72 in Richtung Paderborn) brachte mich dann von Herford (Abfahrt  7:34 Uhr) nach Detmold (Ankunft  7:58 Uhr). Ich verließ also um Punkt  8 Uhr zu Fuß den Detmolder Hauptbahnhof. Mein Ziel war der Ausweichparkplatz am Freilichtmuseum der Stadt Detmold, wo ein kostenloser Bus-Shuffle zum Hermannsdenkmal angeboten wurde. Meine Wegstrecke zum Ausweichparkplatz am Freilichtmuseum dauerte zu Fuß  ca. 45 min für gut 5 km. Diese Strecke war besonders angenehm und führte mich an wirklich alten Häusern vorbei an der Hochschule für Musik, entlang der Allee mit seiner Flusslandschaft.  Als Ausflugsziel bietet Detmold tatsächlich eine Menge an Sehenswürdigkeiten.  Für alle, die vom Hauptbahnhof Detmold zum kostenlosen Bustransfer wollen, hier nochmals die Wegstrecke:

Fußweg Bahnhof Detmold zum Ausweichparkplatz am Freilichtmuseum Detmold

 

01. Vom Bahnhofseingang aus gesehen geradeaus auf die Hermannstraße (am berühmten „Kaiserkeller“ vorbei)  500m

02. Weiter auf Fürstengartenstraße  260m

03. Rechts abbiegen auf  Freiligrathstraße  66m

04. Links abbiegen auf  Palaisstraße  180m

05. Nach links abbiegen, um auf  Palaisstraße  zu bleiben  11m

06. Nach rechts abbiegen, um auf  Palaisstraße  zu bleiben  160m

07. Hier kommt ihr nun geradewegs zur  Hochschule für Musik Detmold (gut zu sehen)

08. Dort rechts abbiegen auf  Allee  600m

09. Rechts abbiegen  über die Brücke (am Gasthof)  180m

10. Leicht links abbiegen  550m

11. Weiter auf  Friedenstal  200m

12. Rechts abbiegen auf  Friedrich-Ebert-Straße

13. Ihr seht nun schon die kleinen Busse auf der rechten Straßenseite

Der Bus-Shuffle fährt jeweils los, wenn der Bus gut mit Fahrgästen gefüllt ist. Ich hatte Glück, dass ich fast als letzter Fahrgast den Bus bestieg. Mit mir fuhr er dann - bei leicht einsetzendem Regen – hoch zum Parkplatz am Hermannsdenkmal. Um Punkt 9 Uhr kam ich am Parkplatz an und machte mich - nach einem Videodreh - direkt auf dem Weg zum Startpunkt. Um  9:05 Uhr begann dann mein erster rein privater Hermannslauf oder besser gesagt „Hermannswalk“.      

 

Zur Erinnerung:  die gemeldeten Wanderer und Walker starten um  8 Uhr vom Startpunkt aus!

 

Als ich also um ca. 9 Uhr los ging, waren keine gemeldeten Teilnehmer mehr am Start. Sehr angenehm, da ich anscheinend niemanden störte und keiner sich an mich störte. Dies blieb auch in den allermeisten Fällen bis Oerlinghausen so. Kurz vor 12 Uhr kam dann schon der führende Läufer in Oerlinghausen an. Also ein guter Hinweis für alle, die die Strecke erst einmal kennen lernen möchten und sich nicht anmelden konnten oder wollten. Ihr könnt beruhigt von 9 Uhr bis ca. 11:45 durchwalken. Nach dem Tönsberg und evtl. im Berggasthof vor Oerlinghausen (vor dem „Alten Windmühlenstumpf“) könnt ihr euch dann nach gut 17 km ausruhen.

In Oerlinghausen hatte ich dann eh meinen „Hermannswalk“ beendet, da ich durch gelegentliches Joggen und tragen von falschem Schuhwerk meine Füße zu stark beansprucht hatte. Zudem war ich dann doch mehr als am Ende meiner körperlichen Fitness (Schmerzen im Hüftgelenk und muskuläre Verhärtungen in den Beinen als auch Schmerzen im Lendenwirbelbereich des Rückens).  Ich muss natürlich erwähnen, dass ich bei einer Körpergröße von 1,92 m und einem Körpergewicht von 108 kg (118 kg plus Rucksack) doch ein wenig übergewichtig war. Deshalb bin ich froh, dass ich so gut durchgehalten habe. Mein nächstes Ziel heißt also:  Gewichtsreduktion!

Für alle, die das gleiche Problem haben, hier nun ein wichtiger Hinweis: Ein Bus nach Bielefeld (Sieker Endstation) fährt sonntags von der Haltestelle „Oerlinghausen Schulzentrum“ jeweils in stündlichen Abständen von 12:50 Uhr bis 19:50 Uhr und kostet euch 4,70 Euro. Mit der Stadtbahnlinie 2 kommt ihr dann von der Endstation Sieker relativ zügig zum Hauptbahnhof Bielefeld. 

Ich hatte also gut 18 km an diesem schönen Tag (sonnig und nicht zu warm bei ca. 20°C) zurücklegen können, bei einem vorherigen einjährigen Training von bis zu 15 km (2 bis 3 Trainingseinheiten pro Woche, Intensitäten: eher gering, d.h. Walken, Woggen und leichtes Joggen). Ich hatte also die erste Hälfte des Hermanns kennen und schätzen gelernt und war nun mit dieser ersten Hälfte vertraut. Der Tönsberg war – wie allgemein bekannt – die größte Hürde der ersten Hälfte. Also ein gelungenes „Bergfest“ nach gut 14,5 km. Hier bekommt man leicht eine Unterzuckerung, wenn man nicht gerade im Schneckentempo den Berg hinauf kriecht. Da ich ja niemanden störte, bin ich sogar rückwärts den Berg hoch, was meiner Beinmuskulatur ganz gut tat. Trotzdem war ich - oben angekommen – doch relativ platt.

 

Im Folgenden werde ich euch einen auch gut verfassten Bericht eines Kollegen (Quelle: http://www.stephan-schröder.de) mit meinen Eindrücken und Bildern verifizieren, um euch einen möglichst genauen Streckenbericht für die erste Hälfte des Hermanns zu geben. Geht die Strecke bitte ruhig an, besonders wenn ihr wie ich nur ausreichend trainiert seid. Die unterschiedlichsten „Düfte des Waldes“ regen zu einer tiefen und ruhigen Atmung an. Hört auf euren Organismus und unterhaltet euch auch mal mit anderen Wanderern. Das macht Spaß und man lernt dabei auch andere Sichtweisen von bereits erfahrenen Wanderern/Walkern kennen. Viel Spaß und hier nun der Streckenverlauf aus der Sicht eines besonnenen „Neuen“ im Alter von 47 Jahren:


Streckenbeschreibung

A:  Strecke 1 bis 3 (vom Hermannsdenkmal bis zur Querstraße vor'm Ehberg)

(Den Originaltext von Stephan Schröder habe ich Kursiv hervorgehoben)

Auf den ersten 5 km geht es erst mal nur bergab. Doch Vorsicht, wer hier zu schnell anfängt wird es später bitter bereuen. Ich spreche aus Erfahrung.Anmerkung: da kann ich nur zustimmen! Nehmt diese ersten 5 km als eine Art Aufwärmphase. Auf dieser Teilstrecke kommt auch die von mir benannte „Pferdestrecke“. Tiefer Sand macht eure Muskulatur mürbe, also schon anstrengend. Versorgt euch dann danach an der ersten Verpflegungsstation mit Getränken und einem Energie- oder Schokoriegel. Auch ein kurzes Dehnen eurer Bein- und Rückenmuskulatur solltet ihr hier durchführen. Nehmt euch Zeit, wir sind nicht bei Olympia.


B:  Strecke 4 (über den Ehberg zur Panzerbrücke)

Nach ca. 5,5 km (also hinter der ersten Versorgungsstation) kommt man an die erste und auch längste ernst zu nehmende Steigung, den Ehberg. Hier sollte man eigentlich noch problemlos hochkommen. Wer hier schon keuchen muss, wird einen sehr langen und schmerzlichen Tag haben… Anmerkung: tatsächlich! Seid konzentriert und atmet tief, nicht oberflächlich. Startet nicht zu intensiv. Es geht bergauf aber somit auch wieder bergab. Schaut euch das Streckenprofil auf  www.hermannslauf.de  an und verausgabt euch nicht. Ihr müsst euch stets gut, ja schon fast euphorisch fühlen. Ihr solltet euch auch noch problemlos mit anderen unterhalten können.


C:  Strecke 5 und 6 (zur Stapelager Schlucht)

Nach ca. 8,5 km erreicht man die Panzerbrücke in Augustdorf. Um ca. 11:30 Uhr ist hier schon die Hölle los (wir sind zum Glück schon viel früher dort J). Durch ein ca. 400m langes Spalier von Zuschauern muss man hier hindurch. Hier musst Du noch lächeln können (Anmerkung: das sollten wir jedoch auf der gesamten Strecke können J). Hier befindet sich auch eine weitere Verpflegungsstation, wo wir uns ruhig noch einmal verpflegen sollten inclusive kurzer Dehnung. Eine kleine Steigung und dann geht es erst mal relativ flach ca. 4 km entlang des Truppenübungsplatzes. Hier können wir mal ein wenig Tempo ausprobieren. Nach ca. 13,5 km passiert man eine weitere Verpflegungsstation in der Stapellager Schlucht. Hier gut verpflegen, denn so langsam wird es ernst. Für alle, die nur den halben Hermann in Angriff nehmen, kommt jetzt unser „Finale“. Also eine Art Verausgabung.


D:  Strecke 7 und 8 (nach Oerlinghausen)

Bei ca. 15 km kommt dann der berühmt berüchtigte Tönsberg. Nicht besonders lang, aber am Ende sehr, sehr steil(Vorsicht: Unterzuckerung droht!). Selbst bei den vorderen Läufern gleicht die Bewegung eher einem Gehen als einem Laufen (ich persönlich gehe hier sogar lieber rückwärts den Berg hoch). Hier wird man sich definitiv quälen müssen, egal ob schnellere oder langsamere Läufer. Ich persönlich quäle mich hier schon so sehr, dass ich gedanklich nicht weiß, wie ich die zweite Hälfte schaffen soll. Anmerkung: das wäre dann ein ernst zu nehmender als auch fataler Fehler, denn wir haben noch nicht einmal die Hälfte des Hermanns hinter uns, wenn wir die gesamte Strecke bewältigen wollen. Es wäre besser, wenn wir mit unserer Verausgabung bis zum Schluss - also auf der Promenadenstrecke in Bielefeld - warten könnten. Nach ca. zwei Kilometern geht es dann in „Schussfahrt“ runter nach Oerlinghausen. Da mir das Bergablaufen sehr gelegen kommt, versuche ich hier möglichst das gut zu machen, was ich am Tönsberg verloren habe. Für uns eine eher nicht so gute Idee, denn wir brauchen noch Kraft und Energie für die zweite Hälfte des Hermanns und der hat es in sich. Im Zentrum angekommen (ca. Kilometerrmarke 18) kommt man zur zweiten Stimmungshochburg der Strecke. Man denkt die Oerlinghauser veranstalten hier ein Volksfest. Wenn wir durch das Zentrum von Oerlinghausen wollen, sollten wir hier den Aufputschversuchen des Publikums widerstehen. Für alle „Halbstreckler“ wäre dies ja dann auch eher unsere abschließende Cool-Down-Phase, falls wir nicht bereits vor Oerlinghausen im Berggasthof unseren Hermann beendet haben. Es empfiehlt sich daher, die Laufstrecke vor dem Zentrum zu verlassen und hinter den Abgrenzungen zu bleiben. Wir werden also automatisch zum Zuschauer. Lohnt sich auch, da ja bereits die ersten Läufer erwartet werden. Wir wollen uns ja dann auch eigentlich an den unzähligen „Fressbuden“ und Bierständen stärken und das Volksfest noch genießen oder aber eben zur Bushaltestelle gehen, um den Bus zurück nach Bielefeld zu nehmen. Wie auch immer, für alle „Halbstreckler“ endet hier der Tag sehr individuell.


Ich hoffe, mein verifizierter Text hat euch gefallen. Ich werde mir im nächsten Jahr (2016) die zweite Hälfte des Hermanns vornehmen mit Start vor dem Schopketal an der Robert-Koch-Straße in Oerlinghausen. Bis dahin wünsche ich euch viel Erfolg bei eurem Training. Für Rückfragen stehe ich euch gerne zur Verfügung.